Das makrofinanzielle Umfeld bleibt auch im zweiten Halbjahr 2025 herausfordernd. Geo- und handelspolitische Spannungen trugen international zur Unsicherheit über die Entwicklung der Weltwirtschaft bei. Die Bewertungen von Aktienmärkten sind trotz bestehender Risken im historischen Vergleich sehr hoch. Auffallend ist die hohe Bewertung des US-Technologiesektors, die von Erwartungen an KI-Projekte getrieben ist. An den Anleihemärkten werden nach wie vor relativ geringe Risikoaufschläge verlangt. Dies deutet auf eine hohe Risikoneigung der Anleger hin. Es besteht insgesamt das Risiko abrupter Marktkorrekturen. Geopolitische Schocks können in diesem Umfeld zu Turbulenzen an den Finanzmärkten führen. Nichtbanken-Finanzintermediäre (NBFI) können negative Entwicklungen an den Märkten verstärken, da sie stark untereinander und mit Banken vernetzt sind. Private Credit, die Vergabe von Unternehmenskrediten durch NBFI, steigt auffallend dynamisch. Das starke Wachstum an Stablecoins von Multi-Issuance Anbietern aus Drittstaaten kann ohne angemessene Vorkehrungen in der europäischen Regulierung perspektivisch ein Risiko für die Finanzstabilität darstellen. Zusätzliche Risiken für die Finanzstabilität ergeben sich auch aus hohen und steigenden Staatsschulden in einigen Ländern. In Deutschland scheint sich die Konjunktur zu stabilisieren, doch die Herausforderungen bleiben kurz- und mittelfristig hoch. Kreditrisiken im deutschen Bankensystem sind gestiegen. Die Verwundbarkeiten am deutschen Wohnimmobilienmarkt gehen insgesamt geordnet zurück, müssen aber angesichts bestehender Unsicherheit über Kreditvergabestandards im Neugeschäft weiterhin beobachtet werden. Verwundbarkeiten aus Gewerbeimmobilienfinanzierungen bleiben erhöht.
Der Ausschuss für Finanzstabilität (AFS) beschäftigte sich im vergangenen Halbjahr unter anderem vertieft mit Risiken aufgrund erhöhter geopolitischer Spannungen. Geopolitische Schocks können erhebliche gesamtwirtschaftliche Auswirkungen haben. Handelspolitische Spannungen und Störungen von Lieferketten können insbesondere exportorientierte Unternehmen belasten. Unternehmenskredite könnten dann vermehrt ausfallen. Aufgrund der erhöhten Risiken könnten Banken Kredite zukünftig vorsichtiger vergeben. In Anbetracht der hohen handels- und geopolitischen Unsicherheit könnten Unternehmen Investitionen überdenken und verschieben. Angesichts der geopolitischen Spannungen hat auch die hybride Bedrohungslage deutlich zugenommen. Damit ist auch die Wahrscheinlichkeit von Cyberangriffen auf die kritische Finanzmarktinfrastruktur in Deutschland gestiegen. Entsprechend müssen Finanzmarktakteure ihre Verwundbarkeiten reduzieren und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyberrisiken und hybriden Bedrohungen stärken.
Die weiterhin bestehenden Verwundbarkeiten und die hohe Unsicherheit verdeutlichen die Notwendigkeit, die Widerstandsfähigkeit des deutschen Finanzsystems zu bewahren. Einen wichtigen Beitrag hierzu leistet das makroprudenzielle Maßnahmenpaket der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Das Maßnahmenpaket besteht aus dem antizyklischen Kapitalpuffer von 0,75 % der inländischen Risikopositionen und dem sektoralen Systemrisikopuffer auf mit Wohnimmobilien besicherte Kredite von 1,0 %. Der Ausschuss für Finanzstabilität erachtet beide Puffer als angemessen. Der AFS wird die Entwicklungen weiter beobachten und bewerten. Bei Bedarf kann der AFS empfehlen, die Maßnahmen einer veränderten Risikolage flexibel anzupassen. Die Mitgliedsinstitutionen des AFS prüfen zudem fortlaufend, ob weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen, um die Finanzstabilität zu wahren.
Hier finden Sie eine Übersicht zur Kommunikation des AFS.